Bin dann mal wieder weg!

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Letzte Etappe

Wir sind Fußballweltmeister und ich habe es verschlafen! 😦

Die Müdigkeit und die Rückenschmerzen haben es nur zugelassen, mir die normale Spielzeit anzusehen. Schade! Ich hätte das Spiel gerne weiter verfolgt, schon alleine, um die dummen Gesichter der Spanier zu sehen, die in der Bar ausschließlich für Argentinien waren.

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In Arca angekommen lese ich in der Zeitung, dass es einen neuen Pilgerrekord in Santiago gibt: 1.736 Pilger haben am 12. Juli Santiago erreicht!

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Es ist 4 Uhr in Arca o Pino, keine 20 km vor Santiago und ich bin bereits mit allen Pilgerarbeiten fertig und bereite mich geistig auf meine 9. Ankunft in Santiago vor.

Wird es ein 10. mal geben?
Nein!

Ich habe in Santiago jedes Jahr versprochen wieder zu pilgern, aber jetzt habe ich keinen Grund mehr.

Der Jakobsweg hat viel in meinem Leben verändert:

Ich habe gelernt mit meinen Phantomschmerzen umzugehen und habe mich mit ihnen arrangiert.

Ich habe auf dem Jakobsweg durch Pfarrer Don Jose Maria Alonso wieder zum Glauben gefunden. Auch habe ich es ihm zu verdanken, dass ich den Tod mit anderen Augen sehe! Wie sagte er einst: „Das Leben ist der Weg zu Gott, der mit dem Tod beendet ist. Stelle es Dir so vor wie dein Weg nach Santiago. Du hast Freude auf dem Weg und musst viele Leiden ertragen. Das alles nimmst Du an, um in Santiago anzukommen. Kommst Du an, ist Deine Freude groß. Wenn also jemand stirbt, hat er seinen Weg beendet und hat sein Ziel erreicht.“

Weiterhin durfte ich auf meinen Wegen durch die Mesta zweimal meine Seele erleben.
Aus meinem damaligen Blog aus 2010: „… Armbewegung, Stockeinsatz, Schrittlänge und -frequenz im Einklang mit dem Atem… Schritt für Schritt, Kilometer um Kilometer, alles wird unwichtig.“ Vieles hat man bereits auf über 200 km losgelassen, aber jetzt wirft man alles über Bord. Der Rythmus, Schritt, Stöcke, Atmung alles passt und dann ist es soweit:
„Ich hatte das Gefühl, dass mein Körper sich von meinem Geist trennt. Ich merkte keine Schmerzen mehr, mein Körper funktionierte unabhängig von meinem Willen. Mein Geist in der Gestalt eines entzündeten Lichtes merkte nur noch die Freudentränen, die aus den Augen des Körpers traten. Das Licht wurde immer heller und das Glücksgefühl immer stärker, bis mich ein überholender Radpilger wieder zurück holte.“ Als mir dieses Ereignis zum ersten Mal auf meinem Jakobsweg passierte, hatte ich Angst, jeden Moment zu sterben. Damals lief das gesamte Leben im Zeitraffer ab. Ich wollte nicht, ich wehrte mich und das Licht war weg.

Heute ist mir klar, dass dieses Licht meine Seele ist, der Teil von mir, der das Ziel erreichen wird.

Weiterhin habe ich auf dem Weg viele Gespräche mit anderen Pilgern aller Nationalitäten geführt. Sie haben mir die Welt geöffnet. In so viele Länder hätte ich gar nicht reisen können und wäre ihnen auch im eigenen Land bestimmt nicht so nah gekommen, wie hier auf dem Jakobsweg. Wir haben zusammen diskutiert, gelacht, getrunken, gebetet aber auch geweint. Ja, auch mal wieder weinen können schreibe ich dem Jakobsweg zu.

Der achte Jakobsweg stand unter dem Motto „Herz oder Verstand!“

Ich hatte mich auf dem Jakobsweg für mein Herz entschieden und ging eine neue Beziehung zu einer sehr viel jüngeren Frau ein. Es gab viel Spott und Hohn aus dem Umfeld und viele wandten sich von mir ab. Selbst „gute Freunde“ hatten kein Verständnis für meine Entscheidung. Jetzt, ein Jahr danach, bin ich froh, dass ich mein Herz habe entscheiden lassen und ich möchte mich an dieser Stelle auch bei meiner neuen Lebensgefährtin Miriam bedanken, die immer und gegen alle Widerstände um unsere Liebe gekämpft hat. Ich freue mich, dass sie mich in Santiago empfängt und wir gemeinsam die Messe besuchen.

Auch habe ich auf dem Jakobsweg gute Freunde getroffen. Also wirkliche Freunde, die da sind, wenn man sie braucht.

Ja, all dies haben mir die Jakobswege gegeben und dafür bin ich dankbar!

Obwohl ich mir derzeit nicht vorstellen kann, ihn noch einmal zu gehen, möchte ich mich aber gerne für den Jakobsweg einbringen, um möglichst viele zum Pilgern zu motivieren.

Allein über diesen Blog, haben sich bis jetzt 27.605 Personen über den Jakobsweg informiert.

Gerne stehe ich jedem Interessierten mit Rat und Tat per Email, telefonisch oder aber auch für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Und ich gebe auch gerne Vorträge in Vereinen oder Institutionen. Selbstverständlich kostenlos, das bin ich dem Hl. Jakobus schuldig!

Zum Abschluss möchte ich allen danken, die mit dazu beigetragen haben, insgesamt 7.920 km auf dem Jakobsweg zu bewältigen!!! Wobei, die letzten 20 km kommen ja morgen früh erst, aber da hoffe ich, das ich die auch noch schaffen werde!

Veröffentlicht unter Jakobsweg 2014 | Kommentar hinterlassen